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Frühling & Sommer 25

Sommerflügelschlag

Es heißt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Orkan auf der anderen Seite der Erde auslösen kann. Der Schmetterlingseffekt erinnert uns an das zerbrechliche Geflecht der Welt, in dem jede Handlung, so klein sie auch erscheinen mag, unüberschaubare Wellen aussenden kann. Eine einfache Entscheidung, eine Bewegung, ein Wort – alles wird Teil eines größeren Musters. Er lässt uns erkennen, dass wir die Folgen unserer Taten niemals vollständig vorhersagen können, aber auch, dass der kleinste Beitrag das größte Geschehen formen kann. Vielleicht liegt gerade in dieser Unvorhersehbarkeit die Schönheit und das Geheimnis des Lebens – dass jeder Flügelschlag eine Möglichkeit zur Veränderung birgt.

Die Gedichte stammen aus der Gedichtsammlung „Wilder Blumenstrauß“, geschrieben von Harry Martinson, 1965. Die Texte werden mit Erlaubnis der Nachkommen des Autors wiedergegeben.

Die Bilder wurden in der Gegend von Mor, Dalarna, aufgenommen.

Digitale Katalog SS25

Das Gras verflocht sich
fiel sich in die Arme,
begann sich zu Bögen zu verweben, die den Bach verbargen.
Eingetaucht in das Sommerkleid
floss er lautlos dahin,
glänzte nur wie eine Silberkette.
Mitten im Sommer war die Blume sie selbst,
ihre Flügelschläge waren Sommer.
Vom Keim bis zum Samen war sie auf der Flucht
mit roten Mohnblumen.

Eine blühende Wiese kann nur durch ihre Schmetterlinge beschrieben werden,
nur richtig besungen von ihren Bienen.
Dieses Tausendflügler-Zusammenhalten
und das richtige Erkennen des Bienengesangs
können nur die Feen, die ewig geübt haben.

In dem Strauß schwanken die Glockenblumen unruhig.
Sie versuchen, dich aus deiner abwesenden Staunen zu wecken.
Es ist noch Sommer, aber trocken und samenreich.
Es sind strohtrockene lange Tage mit austrocknendem Sonnenwind.
Das Gras ähnelt sprödem Haar, das Gräsersamen schuppt.
Wache auf, großäugige Sehnsüchtige
ruf dich selbst zurück hierher, bevor der Herbst kommt!

Das Herz, das in die Birkenrinde geschnitten wurde,
ist im Laufe der Jahre angeschwollen.
Vom Saft des Baumes erhielt es Leben und wurde wulstig.
Noch ein paar Jahre, und es beginnt im Wald zu schlagen.

Die weißen Hundslocken mit ihrem zarten Blütenflor
wurden die letzten Gardinen der Schicksalshütte.
Das eingestürzte Dach ist ins Haus gefallen.
Der Pfad ist nur noch ein Grasstreifen, den niemand mehr betritt.
Aber der Wacholderbusch und der Stein sind näher zusammengerückt.
Sie werden in hundert Jahren heiraten.

SCHLAGLICHTER DES SOMMERS

Die Flügel eines Schmetterlings schlagen gewöhnlich etwa 5–20 Mal pro Sekunde. Zum Vergleich: Die Flügel einer Biene schlagen ca. 200 Mal pro Sekunde, die einer Mücke 400–600 Mal pro Sekunde. Der langsamere, fast „schwebende“ Flug des Schmetterlings beruht also auf großen Flügeln und einer niedrigen Schlagfrequenz, weshalb sie in der Luft so poetisch ruhig wirken.

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